In Zürich die Berge erwandern

von Natalie Raeber (Kommentare: 1)

Schluchten, Lawinen, rauschende Flüsse, Schafherden, Berge und Panoramas - alles da, auch in Zürich. Es ist möglich, wenn wir den Fokus ändern, uns beispielsweise vorstellen, dass wir in den Bergen am Wandern sind. In Realität sind es halt Häuser-Schluchten, Blech-Lawinen, rauschende Verkehrs-Flüsse, Schaf-felle auf den Stühlen eines Kaffees und Bergnamen von Strassen (z.B. Tödi- oder Gotthardstrasse). Panoramas lassen sich aus Hausdächern oder auch aus Abfallhaufen erdenken. Der Phantasie und dem Entdecken sind keine Grenzen gesetzt.

Literarische Wanderung

Im Rahmen von Zürich liest '13 fand am Samstag 25. Oktober die literarische Wanderung "Die Berge erwandern" mit Marie-Anne Lerjen von der Agentur für Gehkultur statt.

Treffpunkt 11 Uhr mitten in Zürich. Die Wanderung beginnt mit knapp 20 Personen und einem Hund. Dank einer zufällig ebenfalls stattfindenden Aktion von Schweiz Tourismus hatte es viele Skilehrerinnen und -lehrer in Vollmontur in der Stadt, dazu gab es Alphornklänge. Wir hatten so optische und akustische Unterstützen bei der Vorstellung, wir seien in den Bergen. Wir wanderten knapp zwei Stunden. In den Pausen las die Wanderleiterin viele Texte und Gedichte, darunter solche von  Eichendorff, Ernst Burren, Jack Kerouac, Mark Twain, Kurt Marti, Thoreau und Tucholsky - alle zum Thema Wandern.

Theodor Storm: Ein grünes Blatt
Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf dass es einst mir möge sagen,
Wie laut die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

Wir erfuhren auch etwas über die Geschichte des Quais und des Arboretums und wissen nun, wo wir in der Stadt im Sommer Edelweisse sehen können. In der graphischen Sammlung der Zentralbibliothek erklommen wir via Radierungen und Postkarten den Üetliberg. Marie-Anne Lerjen wies uns auch auf Wander-Details in der Stadt hin, so zum Beispiel auf das Sandstein-Bild über einer Türe beim Neumarkt, auf welchem Wanderer, Bäume und Rotwild dargestellt sind.

Eine anregend-reale Phantasiereise kombiniert mit der Bewegung des Gehens und begleitet von literarischen Texten - dieser Ausflug hat sich sehr gelohnt.

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Kommentar von Stephanie |

Das ist wirklich eine schöne Idee. Ich hätte daran auch Freude gehabt.